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Orkan nach Plan

Wer reitet so spät, durch Nacht und Wind...


es ist der Nyeste, das dämliche Rind. Beim Losreiten war es allerdings noch hell. Und damit herzlich willkommen zu einer weiteren Geschichte, die danach schreit erzählt zu werden.

Pech gehabt

Als das die ersten Bäume direkt vor dem Fenster in der Arbeit umknicken und das Netzwerk in die Knie geht, schmunzele ich innerlich - Wirtschaftsinformatikeralltag. Naja, Pech! SAP ohne Netzwerk ist wie alkoholfreies Bier: über den Genuss lässt sich streiten, die Effektivität ist jedoch gleich Null. Als kurz darauf komplett der Strom ausfällt, sind Bildschirme, Raum, Gebäude und meine Stimmung "leicht getrübt". Besserung ist nicht in Sicht, dafür Schlechterung. Draußen tobt der Sturm und reisst weiter Bäume um, beschädigt geparkte Fahrzeuge und Gebäude. Realitäts-check: weg hier! Draussen wird endgültig klar: das ist eine gute Entscheidung, solange ein Fluchtfenster noch offen steht. Bereits das Rausfahren aus der Liegenschaft gleicht einer Mischung aus Hindernisparkurs und Gesiterbahnfahrt: links und rechts umgestürzte, teilweise entwurzelte, teilweise abgebrochene Bäume, überall Äste und Zweige zu Land und in der Luft. Der Orkan tobt.


Wiegende Wogen wackeln den Wagen

Die 12km zum Hotel sind normal bequem in einer Viertelstunde zu bewältigen. Dazu dürfen jedoch keine Äste und sonstige kleinkalibrige Geschosse über die Straße peitschen, keine Unsichtbaren ständig von der Seite den Wagen von der Straße zu schieben versuchen und vor allem keine Bäume quer auf der Landstrasse liegen. So ein verdammtes Pech!
Durch die umgefallenen Bäume sehe ich einen LKW auf der Gegenspur. Dieser liegt unter zwei umgestürzten Bäumen begraben. Hmmm. Was soll's, ich habe eh keinen Termin, dann warte ich halt und höre Radio. Als einige Meter hinter meinem stehenden Auto ein Baum einschlägt, denke ich noch: "Glück gehabt" und sinniere über die möglichen Konsequenzen, falls das Auto beschädigt worden wäre. Innerlich höre ich noch meinen Chef mahnen: "Nyeste, bringen Sie den A3 bloss heil wieder."


Touristentrottel

Ich steige aus und mache einige Fotos. Der Wind ist wirklich heftig, sogar noch hier unten, zwischen den Bäumen. Der Krach, den die durchgepeitschten Bäume machen, ist ohrenbetäubend, der Regen und alles was durch die Luft gewirbelt wird, lassen mich kaum die Augen offen halten. Katastrophe live ist wicked, total abgefahren, irgendwie cool. Als einige Meter neben mir ein weiterer Baum einschlägt, kapiere ich plötzlich, dass der Blödsinn nicht die beste Idee ist. Also wieder schnell rein ins Auto.

Ich schreibe meiner Frau noch eine Nachricht, dass es mir gut geht und dass mein Akku sich gleich verabschiedet. Sie solle sich keine Sorgen machen, ich melde mich, sobald ich wieder Strom habe. Strom habe ich dann kurz drauf tatsächlich keinen mehr auf dem Telefon. Dafür habe ich jetzt ein bisschen Angst. Nur ein ganz kleines bisschen. Hält die Zelle eines A3 einen umfallenden Baum aus? Hoffentlich passiert dem Auto nix!






Warten auf Godot

Gefahrenzulage! Genau, das sollte ich kriegen. Oder wenigstens einen Orden für Tapferkeit. Oder zumindest eine Urkunde für besondere Loyalität. Vielleicht auch nur für besondere Naivität und Dämlichkeit, überhaupt losgefahren zu sein. Als der Schaufellader angerollt kommt und mich aus meiner geistigen Dämmerung reisst, habe ich jegliches Interesse für Zeit und Verspätung lang verloren. Das Monstrum schiebt die umgefallenen Bäume wie Mikadostäbchen zur Seite und meine Laune bessert sich das erste Mal seit Stunden. "DA! Was sagst Du dazu, Mütterchen? Mensch : Natur 1:0! Nimm das, Du Scheiss-Orkan!"

Im Hotel schließe ich erstmal die Fenster und mache den Fernseher an. Dann wird mir rasch klar: Mütterchen Natur war mit mir heute gnädig. Strom, Licht, Wärme, ich ziehe mir trockene Klamotten an, alles ist wieder gut. Pech und Glück sind relativ. Vielleicht hatte ich doch eher Glück.

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